Preisträger Architekturtheorie

© Privat / Schelling-Architekturstiftung

Doug Saunders

Die Schelling Architekturstiftung würdigt den britisch-kanadischen Autor Doug Saunders für die neue Perspektive, mit der er die Ursachen von Randbedingungen für und Einflüssen auf die neuen Einwanderungsquartiere in westlichen Gesellschaften erforscht. Damit erarbeitet er Grundlagen auch für den Städtebau, die letztlich über den Erfolg oder Misserfolg unserer urbanen Lebensverhältnisse im 21. Jahrhundert entscheiden werden. Seine Beobachtungen und intensiven Recherchen zum Thema Migration in zwanzig Metropolen auf allen Kontinenten fasste er 2011 in dem Buch‚ Arrival City‘ und 2012 in ‚Mythos Überfremdung‘ zusammen.

© Adolfo Vera

Juhani Pallasmaa

Pallasmaas Karriere – die sich nun über fast sechs Jahrzehnte spannt – umfasst das ganze Spektrum des Bauens, Lehrens, Schreibens, Herausgebens, Lektorierens und Kuratierens. Das Wesentliche an Pallasmaas erstaunlichem Lebenswerk liegt offensichtlich in seinem Denken über Architektur, das heißt, in seinem fruchtbaren und sich stetig entwickelndem Schreiben und in seiner Lehrtätigkeit. Es erstaunt nicht, dass Pallasmaa eine klare Haltung hinsichtlich der moralischen Verpflichtung unseres Faches einnimmt, also der Verantwortung, welche Architektur für unsere Lebensbedingungen hat.

© Schelling-Architekturstiftung

Kenneth Frampton

Die grundlegenden Studien des britisch-kanadischen Architekten und Architekturhistorikers zur Tektonik und zur architektonischen Großform als prägende Teile der Stadtlandschaft sind herausragend. Sein theoretischer Bogen umspannt eine Weite, die von kaum einem anderen Vordenker der Architektur zuvor erreicht wurde. Darüber hinaus wird er für seine präzisen Studien geehrt, mit denen er sowohl das aktuelle Baugeschehen als auch die Geschichte der modernen Architektur seit dem frühen 19. Jahrhundert analysiert. 

© Gitty Darugar

Jean Louis Cohen

Das Werk des französischen Architekten, Forschers, Wissenschaftlers und Kurators umfasst Publikationen und Ausstellungen, die wesentlich zum Verständnis der internationalen Verbindungen zwischen maßgeblichen Architekten der Moderne und ihrer Wirksamkeit beigetragen haben. Cohen thematisiert Baukultur als Medium der Selbstverständigung jenseits nationaler Traditionen.

Seit 1973 an zahlreichen Forschungsprojekten beteiligt, untersucht Cohen präzise die politischen, gesellschaftlichen rund kulturellen Rahmenbedingungen der Tätigkeiten von Architekten und Stadtplanern in unterschiedlichen Epochen. Seine Forschungen zur Architektur und Stadtplanung im revolutionären Russland binden sich in den Diskurs über die Ambivalenz der Moderne ein. Seine Studien zu Le Corbusiers Tätigkeit in der Sowjetunion sind von Fragen zum Verhältnis von Macht und Moral durchzogen. ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der wechselvollen Beziehung zwischen Frankreich und Deutschland.

Die Projekte deutscher Architekten für die im 2. Weltkrieg besetzten Städte und Regionen Frankreichs sind ebenso Gegenstände seiner Studien wie die Arbeit französischer Architekten im Deutschland der Nachkriegszeit.

Zwischen akribischer Forschung und anschaulicher Darstellung der Ergebnisse in Ausstellungen und umfassenden Publikationen gelingt es Jean-Louis Cohen wie kaum einem anderen Wissenschaftler im Bereich der Architektur- und Planungsgeschichte, ein breites Publikum anzusprechen und dabei zugleich ebenso für die Qualität der vom Menschen gestalteten Umwelt wie auch gegen deren Gefährdung im Wechsel der Generationen und der Epochen die Stimme zu erheben.

Werner Durth

© B. Seeland, Karlsruhe

Friedrich Achleitner

Aus der produktiven Verbindung von Literatur und Architekturkritik hat Achleitner eine besondere Qualität präziser Analyse von Bauten und übergreifenden Entwicklungen in der Architektur- und Stadtgeschichte entfaltet, die inzwischen ein reiches Lebenswerk prägt. Besonders hervorzuheben ist die Dokumentation „Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert“, die drei Bände umfasst und für die Geschichtsschreibung auch andernorts auf höchstem Niveau Maßstäbe setzt. Diese umfangreiche Arbeit ist das Ergebnis langjähriger Forschung auf der Grundlage sorgfältiger Auswertung aller erreichbaren archivalischen Quellen, persönlicher Besichtigung aller Bauten vor Ort und deren sprachlich brillanter Bewertung.

Dietmar Steiner

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